Verbund Kommunaler
Kinder- und Jugendhilfe
Eigenbetrieb der Stadt Leipzig
     

GESCHÄFTSBERICHT VKKJ 2004
1. Überblick
Naumburger Straße 26, 04229 Leipzig
vmaier@leipzig.de
www.vkkj.de
1999
Zweck des Eigenbetriebes ist das Betreiben und Unterhalten kommunaler Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe, in denen Angebote und Leistungen im Bereich Hilfen zur Erziehung sowie die Inobhutnahme gemäß SGB VIII (KJHG) erbracht werden. Dazu gehört die umfassende Durchführung aller fachlichen und wirtschaftlichen Aufgaben im Rahmen der Bereitstellung und Vorhaltung von Leistungen. Insbesondere sind dies die Sicherung und Weiterentwicklung pädagogischer Qualitätsstandards sowie die zweckmäßige personelle und materielle betriebliche Organisation. Seit 1. 7. 2002 ist der VKKJ mit dem Tagesstellenpflegemanagement (Akquisition, Prüfung, Schulung, Vermittlung von Tagespflegeeltern) beauftragt. Als kommunaler Eigenbetrieb im Bereich der Jugendhilfe soll der VKKJ als aktives Steuerungsinstrument der Stadt genutzt werden, um den Markt für erzieherische Hilfen sowie die übrigen Markteilnehmer in fachlicher, inhaltlicher und finanzieller Hinsicht positiv zu beeinflussen.
Eigenbetrieb
T€ 205
Frau Carmen Müller-Ziermann
Stadt Leipzig 100 %
keine
Fachausschuss Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule Betriebsausschuss VKKJ
2. Aufgaben und Ziele
Die kommunalen Kinder- und Jugendheime, Wohngruppen und der Kinder- und Jugendnotdienst wurden zum 01.08.1999 in den Eigenbetrieb "Verbund Kommunaler Kinder- und Jugendhilfe" (VKKJ) zusammengeführt bei gleichzeitiger Beauftragung durch den Stadtrat 50 % seiner Leistungen in freie Trägerschaft zu überführen. Für die Errichtung des Eigenbetriebes sprachen aus fachlicher respektive pädagogischer Sicht vor allem zwei Gründe:
  1. Die Abwicklung von wirtschaftlichen Abläufen in den Dienst pädagogischer Zielsetzungen zu stellen.
  2. Schaffung flexibler Arbeitsstrukturen, um Leistungen und Angebote der Jugendhilfe bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen.
Damit wurde der VKKJ zum Dienstleister des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe für das Jugendamt, Allgemeiner Sozialer Dienst. Als Jugendhilfeeinrichtung versorgt er die Bevölkerung in Leipzig mit bedarfsgerechten erzieherischen Hilfen und ist gleichzeitig auch ein wesentlicher Partner der Stadt Leipzig. Er ist ein wichtiges Instrument der Stadt, mit dem die Umsetzung der Steuerungsziele des Jugendamtes und die Verbesserung der Kosten- und Leistungsstruktur auf dem Markt positiv beeinflusst wird.

Zum 01.07.2002 wurde der VKKJ vom Jugendamt zusätzlich mit der Erbringung des kommunalen Tagespflegemanagements beauftragt.

Ausgangssituation

Vor dem Hintergrund einer fachlichen Steuerungsoffensive und einer angespannten finanziellen Situation bestand für den VKKJ der Auftrag, ein leistungsfähiges und wirtschaftlich rentables städtisches Leistungsangebot für den Bereich Hilfen zur Erziehung zu entwickeln.

Zur Konkretisierung der anstehenden Aufgaben wurde im Jahr 2000 eine Zielvereinbarung erarbeitet, die im Wesentlichen auf einen Leistungsumbau, den Abbau nicht benötigter Betreuungs- und Verwaltungskapazitäten sowie einer Qualitätssteigerung bei Kostensenkung abzielte. 2004 wurde diese Zielvereinbarung unter Berücksichtigung notwendiger Anpassungen und Aktualisierungen mit einer Laufzeit bis zum 31. 12. 2005 fortgeschrieben.

Neben der Übergabe von Leistungen in freie Trägerschaft (225 Plätze mit 112,5 VzÄ) hat der VKKJ seine Leistungen um 106 Plätze und 86,6 VzÄ abgesenkt. Mit diesem Abbau an Plätzen und Personal sowie den vorgenommenen Umstrukturierungsmaßnahmen konnte der VKKJ trotz Tarifsteigerungen insgesamt 2,9 TEUR kommunale Haushaltsmittel konsolidieren.

Aktuelle Situation

Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die einzelnen Teams, denen mit der neuen Struktur zum 01.10.2002 die Fach- und Ressourcenverantwortung vor Ort übertragen wurde, sich zu einer flexiblen, auf den Einzelfall zugeschnittenen Angebotspalette positionieren, um damit adäquate Hilfen bedarfsgerecht erfüllen zu können.

Diese Erkenntnisse waren Bestandteil einer grundlegenden Konzeptüberarbeitung aller Leistungsangebote des VKKJ, in der sozialräumliche Betrachtungsweisen Teil der Grundüberlegungen sind. Über diese Vorgehensweise verstärkte sich bei den Mitarbeitern die Erkenntnis, dass demnach Konzeptentwicklung als ein fortlaufender Prozess zu betrachten ist, da regionale Bedarfe kurzfristigen Veränderungen unterliegen. Auf der sich daraus ergebenden Methodenvielfalt liegt auch der Focus der jährlichen Fortbildungsplanung.

Daraus schlussfolgernd, gestaltete sich die Erarbeitung der Leistungsbeschreibungen als Grundlage für die Entgeltverhandlungen als unkompliziert. Der Zusammenhang Konzeptionierung einer Maßnahme, das Beschreiben der sich daraus schlussfolgernden Leistungspalette und das sich daraus ergebende Leistungsentgelt ist für die Mitarbeiter nunmehr ein transparenter und steuerbarer Prozess, da
  • dieser selbst innerhalb der Teams gestaltet wurde,
  • er die Mitarbeiter befähigte, die Qualität ihrer Maßnahmen zu überprüfen und mit entsprechenden Leistungen zu untersetzen und
  • Zusammenhänge von der Planung bis zur Vergütung ihrer erbrachten Leistungen darstellbar sind.
Die Arbeit des Fachbereichsleiters konzentriert sich darüber hinaus auf die konkrete Fallarbeit. Dabei ist einzuschätzen, dass die Mitarbeiter einen erweiterten fachlichen Anspruch ihrer Tätigkeit gegenüber dem Klientel setzen.

Indikatoren dafür sind:
  • wachsende Anzahl an Fallbesprechungen,
  • Anzahl der ASD-Kontakte der Teams bei Veränderungen der Problemlagen im Einzelfall,
  • Interesse der Mitarbeiter und des ASD bezüglich der Teilnahme an Stadtteilgremien zur erweiterten sozialräumlich-orientierten Hilfegestaltung unter ganzheitlichen Aspekten (Kooperation Freizeittreffs, Sportvereine, Kulturarbeit, Beratungsstellen etc.),
  • steigende Anzahl der Sachberichte gegenüber dem Auftraggeber im laufenden Hilfeplanverfahren,
  • Zunahme multidisziplinärer Fallberatungen (Bezugsbetreuer, ASD, Fachbereichsleiter, Kooperationspartner etc.) bezüglich des Abgleichs bzw. der Änderung von Zielvorgaben (Hilfeplan) oder
  • konkrete Arbeit mit handlungsorientierten Methoden (Genogrammarbeit, Sachstandsberichte mit Problemanalyse aufgrund der Herkunftssozialisation etc.).
Diese Gesichtspunkte führten zu einer tatsächlich "gelebten" Kooperation zwischen Jugendamt, Abteilungen Allgemeiner Sozialer Dienst, Fachkoordination und -beratung, Jugendhilfeplanung und VKKJ.

Als wertvoll zu benennen ist, dass der Fachbereichsleiter über die Fallarbeit mit den Teams Erkenntnisse über die unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Ansichten in der methodischen Arbeitsweise der Mitarbeiter erhält. Diese Vielfalt wird als wesentliche Ressource gesehen, die es gilt in der weiteren Qualitätszieldefinition zu nutzen und zu bündeln.

Derzeit werden für alle Leistungen im VKKJ die Leistungs- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen aktualisiert und mit dem Jugendamt zum 1. 1. 2005 neu verhandelt. Parallel legt der VKKJ für jede Einrichtung einen Qualitätsentwicklungsbericht vor, welcher konkrete Informationen einer Qualitätsevaluation liefert.

Tagespflegestellenmanagement

Im Juli 2002 wurde der VKKJ mit dem Modellprojekt "Tagespflegestellenmanagement" betraut. Aufgabe des Eigenbetriebes ist die Information, Auswahl, Schulung und Vermittlung von Tagespflegestellen sowie die Vermittlung von Kindern für die Tagespflege und eine fortlaufende Begleitung und Beratung der Tagespflegepersonen.

Durch mehrmalige Werbeaktionen mit Hilfe von Presse, Rundfunk und Fernsehen ist es mittlerweile gelungen 92 Tagesmütter und 2 Tagesväter mit einer Platzkapazität von 295 Plätzen in die Vermittlerkartei des VKKJ aufzunehmen. Davon sind 272 Plätze belegt.

3. Schwerpunkte und Zielsetzungen 2004 ff
Durch folgende Schwerpunktsetzungen will der VKKJ seine Marktposition im Bereich Hilfen zur Erziehung stabil halten und auch weiterhin künftig Verluste rechtzeitig aufdecken und durch entsprechende Gegensteuerungsmaßnahmen reduzieren bzw. vermeiden. Damit ist der VKKJ der Stadt Leipzig ein verlässlicher Partner bei der Umsetzung der Steuerungsziele des Jugendamtes und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Kosten-, Qualitäts- und Leistungsstruktur und beeinflusst den Markt der Jugendhilfe dahingehend positiv.

Qualitätsentwicklung/Qualitätssicherung

Der VKKJ legt auch künftig seinen Schwerpunkt im Bereich der stationären Hilfen zur Erziehung.

Parallel wird der VKKJ Schwerpunkt auf ein gelebtes Qualitätsmanagement legen. Ziel ist es, im April diesen Jahres in den neuen Konzepten der Teams operationalisierte Qualitätsziele auszuweisen. Erarbeitete Qualitätsziele werden auf die spezielle Praxis heruntergebrochen. Mit Hintergrund einer systemisch-ganzheitlichen Grundmethodik erfolgt dieses auch unter Bezugnahme auf das soziale Umfeld (Familie, Freundeskreis, Schule, Ausbildungsstelle, Peer-Group etc.) und Kooperationspartner (ASD, andere Hilfeformen in kommunaler und freier Trägerschaft). Ziel ist, erarbeitete Indikatoren (Ergebnisebene) jederzeit als messbare Kriterien festzulegen (sogenannte "harte Indikatoren").

Der VKKJ wird im Ergebnis der Evaluation seine Handlungsschritte konsequent umsetzen. Darüber hinaus entwickelt er eigene Evaluationsmethoden zur Überprüfung einer bedarfsgerechten Leistungserbringung und zur Sicherung der Nachhaltigkeit der beabsichtigten Effekte der Qualitäts- und Leistungsentwicklung.

Fortschreibung und Weiterentwicklung der Konzepte/Leistungsbeschreibungen: Qualitätsziele werden Bestandteil der Leistungsbeschreibungen, als auch die Vernetzung der Leistungen des VKKJ untereinander sowie die Vernetzung mit den Leistungen des Sozialraumes. Regelmäßig jährlich werden Qualitätsentwicklungsberichte im Rahmen der Fortschreibung erstellt.

Fortlaufende Überprüfung konzeptioneller Inhalte mit Analyse basisorientierter Bedarfe (z. B. KJND als Informationspool verschiedenster Veränderungen der Jugendhilfelandschaft mit geplanter zeitnaher Rückkopplung an Fachabteilung Jugendhilfeplanung, stationäre Wohngruppen etc. zur Schaffung bzw. Steuerung adäquater Leistungsangebote)

Partizipation von Kindern und Jugendlichen: Das Grundverständnis, soziale Arbeit im HzE-Bereich auch aus dem Blickwinkel eines Lebensweltbezuges der Kinder und Jugendlichen zu betrachten, eröffnet Freiräume des Erkennens von Eigenressourcen der Kinder/Jugendlichen, auch losgelöst vom oft von Fachleuten in die öffentliche Argumentation eingebrachten problemorientierten Ansatz.

Somit ändern sich auch Qualitäten sozialer Arbeit, da ErzieherInnen/ SozialpädagogInnen vor Ort sensibilisiert werden, den Focus ihrer Tätigkeit auf erweiterte fachliche Aspekte (Freizeitverhalten/sportliche Aktivitäten/Hobbys der Kinder, Liebe und Sexualität, Schulalltag, Partizipation zur Förderung eigener Ideen/Problemlösungen, Erkennen eigener Stärken/Grenzen, Konfliktfähigkeit etc.) zu lenken.

Eltern-/Familienarbeit ist wesentlicher Bestandteil der Leistungspalette des VKKJ, da sie als gewichtiges Instrumentarium der Steuerung des Hilfeverlaufs angesehen wird. Innerfamiliäre Ressourcen und die Wertschätzung der Familie sowie deren Lebensweltbezug wird zum kurzfristigen Hilfeverlauf unter Beachtung des Ursprungsbezugssystems genutzt. Flexible Modelle (aufsuchend, begleitend, bezugsorientiert etc.) werden erarbeitet und in der Folge fester Bestandteil einer flexiblen Hilfeplangestaltung und -umsetzung.

Interne und sozialräumliche Vernetzung von Leistungsangeboten: Der VKKJ wird im Sinne der Ressourcenbündelung und Ressourcennutzung Schwerpunkt auf eine Vernetzung der Angebote und Leistungen im Sozialraum als auch seiner eigenen lenken.

Jährliche Fortschreibung und Umsetzung des maßnahmebezogenen Fortbildungsplanes
Wirtschaftlichkeit

Der Eigenbetrieb Verbund Kommunaler Kinder- und Jugendhilfe wird mit ausgeglichenen Jahresergebnissen planen und die Wirtschaftsjahre ohne Fehlbetrag durch Sicherung der Auslastung seiner Maßnahmen mit mindestens 90 % abschließen.

Sollte ein Wirtschaftsjahr mit einem Fehlbetrag abschließen, so wird dieser vorgetragen und der Eigenbetrieb setzt sich die Zielstellung diesen binnen drei Jahren durch Überschüsse auszugleichen.

Um die Wirtschaftlichkeit des Betriebes zu sichern, wird der VKKJ alle Möglichkeiten ausschöpfen, seine Personalressourcen flexibel und bedarfsgerecht unterjährig anzupassen, z. B. durch Ausschöpfen der Arbeitszeitkonten, Wirtschaftsplanung/Stellenplanung in Abhängigkeit der Auslastung bringen, frei werdendes Personal soweit dies möglich ist auf freie Stellen im Eigenbetrieb umsetzen, Erzieher/innen innerhalb der Stadt Leipzig im Bereich Kindertagesstätten, Horte bei der Stellenbesetzung berücksichtigen.

Der VKKJ wird sein Risikomanagement insbesondere in den Kategorien strategische Marktrisiken, Auslastungsrisiken, Finanzrisiken und Personalrisiken intensivieren und weiter entwickeln (Risikomanagementhandbuch befindet sich in Arbeit).

Weitere fortlaufende Überprüfung des Preis-Leistungsverhältnisses aller Leistungen im VKKJ insbesondere durch
  • weitere Absenkung der Miet- und Betriebskosten,
  • Einhaltung der durch das Jugendamt vorgegebenen Fachstandards und Kennziffern (wie z. B. Personalschlüssel für Leitung und Verwaltung, pädagogisches Personal, Sachkosten),
um im differenzierten qualitativ untersetzten Preis-Leistungs-Vergleich aller Trägerangebote wettbewerbsfähig zu bleiben.
Erfahrungsaustausch im Bereich Tagespflege
Aktivierung des Erfahrungsaustausches mit anderen Städten
  • Organisation von regionalen Erfahrungsaustauschen für Tagesmütter/Tagesväter auch mit dem Ziel des Aufbaus von
  • Vertretungssystemen
  • Eröffnung eines breiten Spektrums an Fortbildungsmöglichkeiten für Tagespflegepersonen
  • Fachliche Begleitung und Unterstützung der Tagesmütter/Tagesväter